Die Migräne-App
Kopfschmerzen vom Spannungstyp und Migräne belegen hinter Zahnkaries den 2. und 3. Platz der häufigsten Erkrankungen des Menschen [1]. Die Einjahres-Prävalenz für alle Kopfschmerzformen beträgt bei Frauen 86% und bei Männern 71,1%, für Migräne 43,6% bei Frauen und 26,9% bei Männern, für Kopfschmerz vom Spannungstyp 35,7% bei Frauen und 40,7% bei Männern und für Medikamentenübergebrauchskopfschmerz 4,3% bei Frauen und 1,8% bei Männern. Chronische Kopfschmerzen mit mehr als 15 Kopfschmerztage pro Monat finden sich bei 9,5% bei Frauen und 4,9% bei Männern (4). Migräne ist der häufigste und bedeutsamste Grund für Behinderung bei unter 50-Jährigen [2]. Kopfschmerzerkrankungen sind für mehr als 75% aller durch neurologische Erkrankungen bedingten Jahre mit Behinderung verantwortlich, einschließlich u.a. Schlaganfall, Demenzerkrankungen, M. Parkinson, Multiple Sklerose und Epilepsie [2]. Die Migräne als nur eine der heute bekannten 367 Kopfschmerzerkrankungen steht an zweiter Stelle der Erkrankungen, welche die häufigsten Jahre mit Behinderungen in der Bevölkerung bedingen [2]. Jeden Tag sind in Deutschland etwa 900.000 Menschen von Migräneattacken betroffen. 100.000 Menschen sind wegen Migräneanfällen pro Tag arbeitsunfähig und bettlägerig. 3 Millionen Deutsche nehmen im Mittel jeden Tag eine Kopfschmerztablette über Selbstmedikation ein. 58.853 Triptan-Einzeldosen werden in Deutschland jeden Tag zur Behandlung von Migräneattacken eingenommen [3]. Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten Gründen für kurzfristige Arbeitsunfähigkeit. Allein die durch Migräne bedingten Fehltage pro Jahr entsprechen der Jahresarbeitszeit von 185.000 Vollerwerbstätigen mit geschätzten Kosten von 3,5 Milliarden Euro [4]. Hinzu kommt der Produktivitätsverlust nicht bezahlter Arbeit im Haushalt, in der Kindererziehung oder in der Pflege Angehöriger. Das Risiko für Depression, Angsterkrankung und Suizid ist bei Migränepatienten 3-7mal [5], das Risiko für Herzkreislauferkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall 1,5-2mal höher als bei Gesunden [6]. Weniger als 20% der Betroffenen in Europa werden ärztlich versorgt, weniger als 10% erhalten eine leitliniengerechte Prävention oder Akuttherapie [7].
Voraussetzung für eine individuell angepasste und operationalisierte Kopfschmerztherapie sind die Selbstbeobachtung und die Dokumentation der Kopfschmerzen zur Verlaufs- und Erfolgskontrolle. Das Führen eines Kopfschmerztagebuches wurde daher schon früh in Leitlinien für die Kopfschmerzbehandlung aufgenommen [8]. Die Erfassung der Kopfschmerztage pro Monat, die Dauer der Kopfschmerzattacken, die Merkmale des Kopfschmerzphänotyps mit qualitativer und quantitativer Dokumentation der Schmerzparameter und der Begleitsymptome, sowie die Medikamenteneinnahme sind erforderlich, um auf dieser Basis begründete Therapieentscheidungen und Anpassungen vornehmen zu können. Schmerzkalender und Schmerztagebücher haben jedoch eine Reihe von Nachteilen. Die Informationseingabe ist statisch, die Datenerfassung erfolgt mit Papier und Schreibstift, die Dokumentation ist limitiert, häufig wird sie verlegt oder vergessen.
Die Einführung von Smartphones ermöglichte den Einsatz von Softwareapplikationen (Apps) sowie die Verbindung mit dem Internet und anderen Datennetzwerken. Der Einsatz von Apps in der Medizin gehörte zu den frühesten professionellen Anwendungsbereichen der mobilen Computertechnologie. Sie wurden daher auch früh zur Verlaufs- und Erfolgskontrolle im Rahmen der Schmerz- und Kopfschmerztherapie eingesetzt [9-12]. Mobile Softwareapplikationen haben eine Reihe von Vorteilen gegenüber der Papierdokumentation. Das Smartphone wird in der Regel ständig bei sich geführt und ist das heutige zentrale Kommunikationsgerät bei über 80 Prozent der Bevölkerung. Die Dokumentation des Kopfschmerzphänotyps und des Kopfschmerzverlaufes in der Zeit kann daher unmittelbar erfolgen. Verlaufsparameter können direkt in die App eingetragen werden. Automatisch können aktuelle Information über Umgebungsvariablen wie z.B. Lufttemperatur, Luftdruck und Aufenthaltsort digital erfasst werden. Aus den Daten kann das Smartphone digital übersichtliche aggregierte Berichte generieren, die direkt herangezogen werden können und nicht langwierig ausgezählt werden müssen. Die Verlaufs- und Erfolgskontrolle mit Smartphone-Applikationen hat sich als zuverlässiger als die Papierdokumentation erwiesen. Sie zeigen eine höhere Compliance im Vergleich zu Papiertagebüchern [13]. Wissenschaftliche Daten belegen, dass die Compliance-Rate für elektronische Tagebücher 94% beträgt, während sie für Papiertagebücher nur 11% umfasst [14].
Merkmale der Migräne-App
Das Konzept der Migräne-App stellt die professionelle Dokumentation und Begleitung der praktischen Versorgung von Migräne- und Kopfschmerzpatienten in den Mittelpunkt. Sowohl Betroffene als auch die behandelnden Berufsgruppen sollen dabei unterstützt werden. Auf dem Startbildschirm zeigt die Migräne-App im Stil von Cockpit-Anzeigeinstrumenten eine aggregierte Dokumentation des Kopfschmerzverlaufes über die letzten 30 Tage sowie eine zusammenfassende Information der Kopfschmerzhäufigkeiten über die letzten 6 Monate. Es werden die Kopfschmerztage pro Monat, die Anzahl der Tage mit Akutmedikation sowie die Wirksamkeit der Attackentherapie in Form von Anzeigeninstrumenten quantitativ und qualitativ zusammenfassend dargestellt. Die Wirksamkeit der Attackentherapie als auch die Wirksamkeit der Vorbeugung wird damit aggregiert sowohl den Nutzer als auch den behandelnden Arzt zurückgemeldet. Die Dokumentation der jeweiligen Kopfschmerztage erfolgt durch eine Schnelleingabe. Dabei wird das Datum, der Kopfschmerzphänotyp, die Kopfschmerzintensität, die Kopfschmerzdauer, Begleitereignisse wie Verstärkung durch körperliche Aktivität, Übelkeit oder Erbrechen, Behinderung der geplanten Aktivitäten sowie Aura-Symptome dokumentiert. Die aktuellen Wetterdaten am jeweiligen Kopfschmerztag und Aufenthaltsort werden digital automatisch hinzugefügt. Ebenfalls wird die Art der Akuttherapie sowie deren Wirksamkeit dokumentiert. Zusätzliche Bemerkungen können frei eingegeben werden. Die Daten werden im Schmerzkalender dokumentiert und können ggf. dort angepasst werden. Zur Erfassung der Akutmedikation und der vorbeugenden Medikation können die verwendeten Medikamente entweder aus einer Datenbank herausgesucht oder aber frei eingegeben werden. Ein detaillierter Report gibt entweder für den jeweiligen Behandlungsmonat oder für das jeweilige Behandlungsjahr zusammenfassend Informationen über die Tage mit einer Migräneaura, mit Migränekopfschmerzen, Kopfschmerzen vom Spannungstyp oder anderen Kopfschmerzformen. Es werden die Schwere, die Dauer und die Anzahl der Tage mit Medikamenten sowie die Effektivität der Akutmedikation quantitativ wiedergegeben. Im Abstand von drei Monaten wird der MIDAS-Score zur Erfassung der migränebedingten Behinderung dokumentiert. Weitere Tools der Migräne-App sehen eine Aura-Simulation, die Präsentation verschiedener Aura-Typen zur Information über das Auftreten von Migräneauren, Skalen zur Erfassung der Chronifizierung, zum optimalen Zeitpunkt zur Einnahme von Akutmedikation und eine Dokumentation der Merkmale der wichtigsten Kopfschmerzformen vor. Über eine Expertensuche können bundesweit Kopfschmerzexperten im bundesweiten Kopfschmerzbehandlungsnetz über ein Navigationstool aufgefunden werden. Es wird eine Lang- und eine Kurzform der progressiven Muskelrelaxation für Erwachsene sowie für Jugendliche und Kinder zur Verfügung gestellt. Zusätzlich enthält die Migräne-App Links zu einem detaillierten Kopfschmerzcoaching, eine Kopfschmerz-Videothek, eine umfangreiche Bibliothek zu Kopfschmerzwissen sowie die digitale Version der aktuellen internationalen Kopfschmerzklassifikation ICHD-3. Die Vernetzung von Betroffenen erfolgt über soziale Gemeinschaften (Headbook-Community, Migräne-Facebook-Community) mit aktuell mehr als 30.000 Nutzern. Zusätzlich werden in festen Abständen Livechats mit Kopfschmerzexperten über die Migräne-App ermöglicht. Die Migräne-App erinnert an die regelmäßige Durchführung der progressiven Muskelrelaxation und beinhaltet ein Belohnungssystem dafür. Ebenfalls erhält die Migräne-App eine Backup- und Exportfunktion. Die Daten der Migräne-App werden ausschließlich auf dem lokalen Gerät gespeichert. Eine Registrierung ist nicht erforderlich. Lediglich der Nutzer hat Zugriff auf die Daten. Er allein ist in der Lage, einen Report zu erstellen und diesen ggf. an den behandelnden Arzt zu übermitteln.
Wichtiger Hinweis: Die Migräne-App kann nicht die Diagnose, Beratung und Behandlung durch den Arzt ersetzen. Sie ist nicht zur eigenständigen Diagnose oder Therapie von Krankheiten geeignet.
Digitale Versorgung und mobile Telemedizin
Der Trailer
Die Kurzanleitung
Erfahrungen mit der App
Erfahrungen mit der App
Schmerztherapie und digitales Selbstmanagement
Erfahrungen der Techniker
Personalisierte Umsetzung von Leitlinien
Interview mit Klaus Rupp
Interview mit Dr. Johann Brunkhorst
Interview mit Bettina Frank
Interview mit Prof. Dr. Hartmut Göbel
Richtungsweisende Auswirkungen für die zukünftige Versorgung
Die Migräne-App hat grundlegende und richtungsweisende Auswirkungen für die zukünftige Versorgung von Migräne- und Kopfschmerzpatienten. Betroffene können individuell verstehen, warum Migräne und Kopfschmerzen auftreten und wie sie deren Häufigkeit aktiv reduzieren können.
Die Migräne-App hilft aktiv, die Lücke zwischen aktuellen globalen Forschungsergebnissen und der täglichen Umsetzung und Versorgung vor Ort von Migräne- und Kopfschmerzpatienten zu schließen. Durch die Vernetzung und Unterstützung der Selbsthilfe eröffnet sie neue Möglichkeiten für die Demokratisierung von aktueller Forschung, moderner Medizin und innovativer Versorgung.
Die digitale Technik revolutioniert die zukünftige Versorgung der Volkskrankheiten Migräne und Kopfschmerzen. Diese stehen an dritter Stelle auf der Liste der Weltgesundheitsorganisation der am schwersten behindernden Erkrankungen des Menschen und erfordern daher den Einsatz neuer digitaler Technologien in der innovativen Vorbeugung und Behandlung. So wie das Smartphone das Alltagsleben verändert hat, wird die Migräne-App die Versorgung von Migräne- und Kopfschmerzen richtungsweisend vorgeben und verbessern.
Datenschutz
Die Migräne-App speichert Daten nur auf dem Gerät des individuellen Nutzers. Datenschutzrechtliche Anforderungen werden eingehalten. Möchte der Nutzer Informationen weitergeben, z. B. an seinen behandelnden Arzt, erfolgt dies nur durch aktive Initiative des Nutzers. Privatheit, Transparenz, Autonomie und Kontrolle werden in allen Details beachtet. Die ausführliche Datenschutzerklärung findet sich hier.
Bedienungsanleitung
Eine ausführliche Bedienungsanleitung über alle Funktionen der Migräne-App können Sie hier lesen und herunterladen.
Pressespiegel
Flensburger Tageblatt: Smart gegen Migräne: Wie eine App Kranken helfen kann
MedHochZwei
shz.de
Die Techniker
Anbindung der Apple Watch
Trailer und Tutorial
Ein Trailer mit einem Kurzüberblick zur Migräne-App findet sich hier
Ein Video-Tutorial ist in der App integriert. Es ist auch über diesen Link verfügbar.



















